Bitcoin Talk mit Joana Cotar, Mitglied im Deutschen Bundestag

Interviewer: Wir sprechen heute mit Johanna Cotar. Sie ist fraktionslose Bundestagsabgeordnete, und wir sprechen über Bitcoin. Bist du die einzige im Bundestag, die das Thema interessant findet oder pusht, oder gibt es da auch andere Abgeordnete?

Joana Cotar: Ich bin die einzige, die es wirklich pusht. Es gibt durchaus auch noch andere Abgeordnete, die das am Schirm haben. Frank Schäffler war so jemand, der auch laut für Bitcoin geworben hat. Das hat sich seit die FDP in der Regierung ist ein bisschen gelegt. Stattdessen gibt es jetzt von der FDP ein Papier, dass sie die Einführung des digitalen Euro positiv begleiten werden.

Sie haben eine Blockchain-Diskussionsrunde, und auch da ging es um den digitalen Euro, und zu Bitcoin schweigt Schäffler dann eher aus, was ich extrem schade finde. Also, es gibt im Moment keinen, der wirklich sagt, wir pushen das nach vorne, sondern eher Kollegen von den Grünen, die von der CDU, die sagen können wir denn ein bisschen heftiger regulieren.

Interviewer: Ja, wie bist du denn zum Thema Bitcoin gekommen?

Joana Cotar: Also, zum allerersten Mal habe ich das 2013 gehört. Da hat mein Bruder gesagt, dass es da eine Investitionsmöglichkeit gibt, ja, was ganz Neues.

Interviewer: Das wäre eine mega Investitionsmöglichkeit gewesen.

Joana Cotar: Ja, glaub mir, wie ich das bereue, dass ich die nicht genutzt habe. Er hat sie genutzt, er hat gesagt, er investiert da jetzt einen gewissen Betrag, den er nicht braucht, und wenn es nichts wird, dann wird’s nichts, aber er probiert das mal aus, hat ein Riesen-Geschäft damit gemacht. Aber ich habe es halt verpasst. Und dann hatte ich das einige Jahre nicht mehr am Schirm und habe mich dann, weil ich mich natürlich mit dem Thema Freiheit beschäftige, weil ich dafür ja auch in den Bundestag die zu verteidigen irgendwann mal, intensiver mit der Österreichischen Schule auseinandergesetzt und bin durch Zufall über Youtube auf Bitcoin-Videos gestoßen. Und da gab’s so ein Aha-Moment, wo ich gedacht habe, das ist ja eine Lösung zu ganz vielen anderen Problemen.

Also, ich bin nicht von der Seite gekommen, dass ich das technisch verstehe oder irgendwie ein Experte bin, sondern wirklich die Idee dahinter. Dass das Geldsystem das Problem ist von allem Übel, das habe ich schon früh erkannt, das wir schon eine Lösung dafür haben, das wusste ich nicht, und das wusste ich in dem Moment, als ich mich näher damit beschäftigt habe. Und dann habe ich natürlich ein Büro, was am Anfang sehr kryptoaffin war, mittlerweile nur noch Bitcoin-only ist, und dementsprechend haben mich natürlich auch meine Mitarbeiter dann dahin gepusht zu sagen, lass uns doch mal was machen.

Als fraktionslose Abgeordnete – ich habe es in meiner Fraktion nie zum Thema machen können – dachte ich, jetzt ist die Chance, das tatsächlich mal in den Bundestag zu bringen und die Kollegen zu informieren, was die positiven Seiten von Bitcoin sind.

Interviewer: Mhm, ja, krass, und das Büro war kryptoaffin, weil du in dem Büro warst oder?

Joana Cotar: Nein, das waren sie schon vorher, aber man war noch nicht Bitcoin-only. Man hat die Kryptowährung gesehen, hat gesehen, das ist eine Chance. Mein Büroleiter hat in Litecoin investiert, zum Beispiel. Dann war DeFi mal ein Thema, was ich dann ziemlich schnell erledigt hat, und dann der Stephan Schmidt, der die Veranstaltung gestern hauptsächlich mitorganisiert hat und die Initiative mit ins Leben gerufen hat, das ist dann der Bitcoin-Maximalist bei uns im Büro, und dann hat sich das so entwickelt.

Interviewer: Sehr schön. Und welche Bitcoin-Eigenschaften haben dich besonders überzeugt?

Joana Cotar: Das sind einige. Vor allen Dingen, dass es nicht zensierbar ist, dass der Staat mir nicht dazwischen funken kann und sagen kann, du darfst jetzt aber nicht demjenigen ein paar Satoshis schicken, weil das haben wir auf anderen Gebieten ja gesehen. Wir hatten die Trucker-Proteste in Kanada während der Impfpflicht-Diskussion, und da werden ja Kreditkarten gesperrt, Konten gesperrt, alles gesperrt, damit sie keine Chance mehr haben, sich zu finanzieren.

Oder wir sehen es bei Menschenrechtsorganisationen, die in Regimen kämpfen, auch da haben die keine Chance an Geld zu kommen, und Bitcoin ist da eine Möglichkeit, sich tatsächlich zu finanzieren. Also, das ist für mich somit das Wichtigste. Und die Idee dahinter, tatsächlich zu sagen, wir beschränken die Macht der Politik, wir beschränken die Macht der Politiker und der Zentralbanken dadurch, das ist etwas, was ganz viele Probleme lösen würde, wenn die Politiker nicht einfach so Geld drucken könnten.

Und wichtig für mich auch, und deswegen ist es auch Bitcoin-only bei uns geworden, dass es wirklich dezentral ist, dass es keine Stelle gibt, die dann auf dem Knopf drücken kann und das ändern kann oder von außen Druck bekommen kann, dass sich ändert, oder morgen ist es alles nicht mehr da. Das hat so viele positive Eigenschaften, dass es mich wirklich überzeugt hat, dass es das ist und nicht irgendetwas anderes.

Interviewer: Ja, du hast ja die parteiunabhängige Initiative Bitcoin im Bundestag ins Leben gerufen. Gestern war die Auftaktveranstaltung. Wie ist es deiner Meinung nach gelaufen?

Joana Cotar: Gut, sehr gut. Also, ich hatte am Anfang Angst, als ich die Einladung rausgeschickt habe, es kommt keiner, und da war der Saal ja doch gut gefüllt, was ich erstaunlich fand, war, dass ich Mitglieder von allen Parteien, allen Fraktionen, angemeldet haben, vor allen Dingen Mitarbeiter. Also, das MdB’s selber kommen ist eher selten, gerade bei solchen Themen, aber auch da waren welche da, aber Mitarbeiter waren aus allen Fraktionen, die sich teilweise aber noch nicht mal mit Namen gemeldet haben.

Also, die haben wirklich, wenn in der Fraktion Bitcoin nicht so gut angesehen wird und dann geht man hin und informiert sich, dann kann das schon Ärger geben, das ist so absurd in der Politik. Aber wir hatten sie da, die sich alle angemeldet haben und zugehört haben und gemerkt haben, dass hoffe ich, was für positiven Einfluss Bitcoin haben kann, und wir bieten ja noch viele Folgeveranstaltungen an, und ich hoffe, dass sich dann das ein bisschen ändert und ein bisschen offener auftreten und sich da noch mal trauen ordentliche Fragen zu stellen, weil du hast ja, du warst ja auch da, alle die ganz hinten saßen, die waren vom Bundestag, ja, die haben sich nicht getraut sich in die erste Reihe zu setzen, und das ist, es ist Politik, interessant, ja.

Interviewer: Interessant. Hast du hier als Fraktionslose einen Vorteil oder bringt es besondere Herausforderungen mit sich, wenn man als fraktionsloser ein solches Thema im Bundestag anspricht? Oder anders gefragt, wäre es überhaupt möglich gewesen, wenn du in einer Partei Mitglied gewesen wärst, das anzusprechen zu thematisieren?

Joana Cotar: Nein, also nicht so öffentlich und nicht so groß. Ich habe innerhalb der Fraktion – das habe ich ja gemacht, innerhalb meiner Fraktion angesprochen – den Antrag, den wir jetzt vorgelegt haben, den andere Parteien übernehmen können. Den wollte ich in dieser Fraktion stellen und sagen: ‚Leute, guckt euch das an.‘ Die hatten kein Interesse, denn Digitalisierung ist sowieso des Teufels, und nur Bares ist wahres.

Also hatte ich da keine Chance. Als Fraktionslose hat man natürlich vor – und das habe ich natürlich auch genauso gemacht, wie man sagen kann – man redet zu den Themen im Bundestag, die einen interessieren. Also, wenn du in einer Fraktion bist, dann bist du Fachpolitiker für einen bestimmten Bereich. Ich war zum Beispiel digitalpolitische Sprecherin und durfte dann auch wirklich nur zu digitalen Themen reden.

Jetzt kann ich sehen, was auf der Tagesordnung des Deutschen Bundestages steht, und dann kann ich bei der Bundestagspräsidentin anmelden: ‚Ich hätte gerne paar Minuten dazu.‘ Ein paar Minuten dazu. Und dann war das Thema digitaler Euro, und da habe ich gesagt: ‚Ich hätte gerne eine Redezeit dazu‘, damit ich etwas zum Thema Bitcoin sagen kann. Das wäre in einer Fraktion nicht möglich gewesen.

Interviewer: Du hast in dem Antragsentwurf gefordert, dass man sich gegen die Einführung des digitalen Euros ausspricht, auch mit Blick auf die Gefahren der totalen Überwachung, der Möglichkeit der Programmierbarkeit von CBDCs, der Gefahren eines integrierten Sozialkreditsystems. Die Gefahr, dass Grundrechte massiv eingeschränkt werden, wird hingewiesen. Ist das nicht genau das Ziel, oder haben Politiker das gar nicht im Blick und führen uns schlafwandelnd von der Finanzlobby getrieben in ein totalitäres System hinein?

Joana Cotar: Nee, das ist tatsächlich das Ziel. Also, mir konnte tatsächlich niemand bis jetzt erklären, was für Vorteile der digitale Euro bringen soll im Vergleich zu den Möglichkeiten, die wir jetzt schon haben, wie wir bezahlen. Kein einziger konnte das bis jetzt machen. Die EZB behauptet, wir bräuchten quasi eine Konkurrenz zu ausländischen Anbietern, Kreditkartenanbietern, PayPal, Pipapo. Das ist kein Argument. Und das einzige Argument, was einleuchtend ist, ist tatsächlich, dass die Politik diese Überwachung möglich machen möchte.

Interviewer: Bringt es dann überhaupt etwas, das im Antrag als Argument aufzuzählen, wenn die sagen, ‚Ja, ist ja genau, was wir machen wollen‘?

Joana Cotar: Na ja, es gibt Kollegen im Deutschen Bundestag, die sehen das nicht. Die sehen, dass die EZB sich bemüht, einen digitalen Euro einzuführen, und die denken sich, ‚Ist ja eigentlich nicht schlecht, wenn wir das noch digital haben in der Wallet am Handy, und dann können wir das auch so bezahlen.‘ Und die sind nicht abhängig von Mastercard. Und es gibt viele, die glauben nicht, dass das tatsächlich möglich ist, und man muss sie wirklich mit der Nase drauf stoßen, was für Risiken da sind.

Noch ein Grund, sowas zu erwähnen, ist natürlich, dass so ein Antrag dann irgendwann auch mal öffentlich wird, und die Leute da drauf stoßen, und da ist ein gewisser Druck auf die Politiker, das zu erklären, dass das eben nicht passieren kann. Ja, und das kann mir keiner weißmachen, dass das nicht passiert, weil wenn sie sagen, ‚Ja, aber die EZB verspricht das nicht zu machen‘, ähm, die Europäische Union, die Europäische Kommission, die haben uns alles versprochen und nichts gehalten.

Also, wenn Politiker etwas versprechen, glaube ich den schon mal nicht. Ich bin jetzt 11 Jahre in der Politik, ich bin jetzt 7 Jahre im Deutschen Bundestag ungefähr, und ich traue Politikern nicht. Das ist so aus Erfahrung einfach. Und wenn sie sagen, wir machen etwas nicht, und macht euch keine Sorgen, dann mache ich mir erst recht Sorgen. Und dementsprechend sollten auch alle Bürgerinnen und Bürger sich Sorgen machen und gucken, dass sie selbst, wenn sie den digitalen Euro einführen, solange sie nicht gezwungen werden, den nicht zu nutzen, bitte nicht nutzen.

Interviewer: Ja, also, bei mir ist ds mittlerweile auch so, vor allem seit Corona, bin ich sehr kritisch geworden, und mein Vertrauen ist am Tiefpunkt, würde ich sagen. Du hast ja eine Rede im Bundestag gehalten über Bitcoin, die ist total viral gegangen, in aller Welt wurde sie geteilt, deine Stimme wurde per AI in alle möglichen Sprachen umgewandelt. Hast du da intern irgendwie Feedback bekommen, dass das gut war, dass du das gemacht hast, von Abgeordneten oder Mitarbeitern, oder hat es sich im Bundestag rumgesprochen?

Joana Cotar: Also, direkt hat mich keiner angesprochen, aber es war zum Beispiel einer von meinen Mitarbeitern im Bundestag, und der hat sich mit einem Mitarbeiter von der SPD unterhalten, und irgendwann hat der SPDler gefragt, ‚Wer bist du eigentlich?‘, und dann meinte mein Mitarbeiter, ‚Ich arbeite im Büro Cotar‘, und dann kam ‚ah, die mit der Bitcoin-Rede‘. Also, die Nachricht hat sich wirklich verbreitet: Bitcoin ist jetzt ein Thema im Bundestag, was wirklich positiv ist. Besonders die Tatsache, dass Katrin Göing-Eckardt als Vizepräsidentin auf mein T-Shirt hingewiesen hat, hat noch mehr Aufmerksamkeit darauf gelenkt. Es hat definitiv die Wirkung gehabt, die ich mir erhofft habe. Ja, es war wirklich großartig. Aber es war auch amüsant, mich selbst mal Chinesisch oder Indonesisch reden zu hören.

Interviewer: Ja, es war wirklich eine fantastische Rede. Aber es gibt ja die Tendenz in Europa, mit immer strengeren Regeln die Innovation in diesem Bereich zu drosseln, irgendwie. Wallet Self-Custody sollen verboten werden, alle Transaktionen überwacht werden, alle Adressen von Self-Custody-Wallets müssen registriert werden. Solche Entwicklungen gibt’s ja. Wie schaffen wir es, diese Entwicklung zu stoppen und in der EU nicht den Zug zu verpassen oder in Deutschland?

Joana Cotar: Ja, also, ob wir es komplett schaffen, weiß ich nicht, aber wir müssen halt optimistisch bleiben und es versuchen. Das heißt, das, was wir jetzt versuchen, tatsächlich mit der Aufklärung der Bundestagsabgeordneten, die ja vielfach nicht wissen, dass Bitcoin positives bewirken kann.

Die hören von ihren Kollegen und aus der Presse immer nur ‚Geldwäsche, Terrorismus, macht das Klima kaputt‘, und dann haben sie keine Zeit, sich damit zu beschäftigen, weil so viel anderes auf dem Tisch liegt. Und dann ist es wichtig, denen zu erklären: ‚Pass mal auf, du möchtest, dass die Energiewende funktioniert, guck dir Bitcoin-Mining an, wie kann man Bitcoin-Mining beim Thema Energiegewinnung einsetzen, wie können wir damit die Stromnetze stabilisieren?

Du möchtest eine ordentliche Entwicklungspolitik in der Dritten Welt machen, guck dir an, wie sehr Bitcoin den Leuten in Afrika hilft, die keinen Zugang zu Banken haben, etc.‘ Dir sind Menschenrechte wichtig. Schau, dass die Frauen in Afghanistan Bitcoin benutzen, um sich zu organisieren. Auch Assange war ein Thema in den Medien, da der Prozess lief. Seine Familie finanziert sich über Bitcoin.

Das müssen wir den Menschen und den Abgeordneten klar machen. Das wissen viele nicht. Dann fangen die erstmal an, nachzudenken, zu sagen: ‚Okay, ist das dann so, wie ich es wirklich glaube?‘ Und wenn diese Diskussion in den Fraktionen angestoßen wird, dann ist das schon sehr viel wert. Ob es letztendlich erfolgreich ist, weiß ich nicht. Was wichtig ist für mich: Wir können das im Bundestag nicht alleine machen. Dazu muss die Bitcoin-Community auf die Politiker zugehen.

Ich höre das immer wieder: Die Bitcoiner haben keine Lust auf Politik, sie haben kein Interesse daran, mit Politikern zu sprechen, sie wählen sowieso nicht. Das ist okay, habe ich auch gar kein Problem mit. Aber man muss die Bundestagsabgeordneten und auch die Europaabgeordneten damit konfrontieren, dass das ein Thema für einen ist.

Also gerne mal Termine in den Bundestags- und Wahlkreisbüros ausmachen, von den Bundestagsabgeordneten hingehen und mal fragen, wie stehen sie zum Thema Bitcoin, wie stehen sie zum Thema, hier die Wallets verbieten oder Apple und Google zwingen, die aus den Handys zu schmeißen, damit den Bundestagsabgeordneten klar wird, das sind Wähler da draußen, die haben ein Anliegen. Das kann ich jetzt nicht mehr ignorieren. Wenn das viele machen, dann hat das auch einen Impact, weil es geht hier um die Wiederwahl. Und wenn ein Bundestagsabgeordneter etwas möchte, dann ist das die Wiederwahl sicher. Und so kann man tatsächlich etwas bewirken.

Interviewer: Es kommt mir so vor, als ob Politiker einfach mit wenig Information Haltung zeigen. Man hat wenig Zeit, sich in ein Thema einzuarbeiten, und kann aber dennoch überzeugt seine Stellung zum Thema präsentieren. Und du hast ja gemeint, Mitarbeiter spielen eine große Rolle dabei, das an die Bundestagsabgeordneten heranzutragen. Die haben da eine große Macht. Ist das richtig oder haben sie einen großen Einfluss auf die Abgeordneten?

Joana Cotar: Ja, sie haben Einfluss auf die die Abgeordneten haben die, weil man arbeitet ja quasi stundenlang zusammen, die Tage und Nächte sind lang. Im Bundestag arbeitet man zusammen und man berät sich ja auch über verschiedene Themen. Stellt man jetzt kleine Anfragen, wir haben schriftliche Fragen, die wir der Bundesregierung stellen können, und wenn da Mitarbeiter kommen und dann mal das Thema Bitcoin aufbringen oder andere Themen, dann nehmen das die Bundestagsabgeordneten auch gerne auf, wenn sie sehen, es bringt sie weiter.

Und deswegen ist das ganz wichtig, weil das, was du gesagt hast, eben richtig ist. Wir haben als Abgeordnete wenig Zeit, um uns in alle Themen einzulesen, die wir in einer Sitzungswoche haben, weil wir haben ja, ich weiß nicht wie viele Anträge, 20, 30 Anträge, Gesetze etc. Dazu kommen die ganzen Unterlagen, die wir für den Ausschuss lesen müssen. Da kommen EU-Unterlagen, die sind dann teilweise 300 – 400 Seiten auf Englisch, keine Chance. Und dann sucht man sich die Topics aus, die einen selbst betreffen, weil man im entsprechenden Ausschuss ist, und verlässt sich bei allen anderen Themen auf die Fachpolitiker der Fraktion.

Wenn die Finanzpolitiker in einer Fraktion zum Beispiel sagen, Bitcoin ist des Teufels und ich habe keine Zeit mich damit zu beschäftigen, und dann kommt die Abstimmung und dann sagen die Fachpolitiker, du holst die rote Karte gegen Bitcoin, dann gehen die Abgeordneten hin, holen sich die rote Karte und stimmen gegen Bitcoin, okay? Und das ist eben der Punkt, wo ich sage, da möchte ich in der Fraktionssitzung, dass ein paar Abgeordnete aufstehen und sagen, Moment mal, ist schön, dass ihr die Meinung habt, ich habe eine andere Meinung, weil ich habe was anderes gehört von Bitcoin.

Interviewer: Also wird teilweise wenig reflektiert, wenig darüber nachgedacht, und kommt auch viel Input von der Finanzlobby, von der Bankenlobby?

Joana Cotar: Ja natürlich. Also die Lobbyisten, die sind ja um uns im Bundestag angesiedelt, und haben teilweise die Batches damit sie im Bundestag ein- und ausgehen können, machen Termine, die haben ihre Hauptsitze und ihre Geschäftssitze tatsächlich rund um den Bundestag, damit sie kurze Wege haben. In Brüssel ist das genauso, der Einfluss ist massiv von den Lobbyisten. Und wenn sie sehen, sie haben Vorteile von irgendetwas, dann kannst du davon ausgehen, wir Bundestagsabgeordnete bekommen E-Mails, Besuche, Termine, Einladungen zum Frühstück, Einladungen zum Mittagessen, Einladungen zum Abendessen.

Das heisst, wenn du als Abgeordneter unterwegs bist, kannst du dich im Prinzip in der Sitzungswoche von Veranstaltung zu Veranstaltung hangeln und dich wirklich voll verpflegen lassen. Es ist absurd, was hier teilweise abläuft.

Interviewer: Kann man Geld sparen, ja, krass. Also in dem Antragsentwurf habt ihr eine Forderung, dass die Haltefrist beibehalten wird, bis Bitcoin offizielles Zahlungsmittel ist. Heißt das, dass ihr denkt, dass du denkst, dass das sowieso irgendwann passiert, oder dass du alles daran setzt, dass das irgendwann so ist?

Joana Cotar: Also, wir haben ja im Antrag auch gefordert, dass man gesetzliche Möglichkeiten mal reingucken muss, um es tatsächlich möglich zu machen, dass Bitcoin wirklich legales Zahlungsmittel wird in Deutschland. Einfach mal reingucken, was wären denn die Voraussetzungen? Das wäre ja schon ein erster Schritt, dass man sich damit beschäftigt.

In the long run hoffen wir das ja, glaube ich alle, dass wir es schaffen. Ich glaube nicht, dass es jemals, also jemals ist vielleicht übertrieben, aber ich glaube nicht, dass es in der nächsten Zukunft alleiniges Zahlungsmittel in irgendeinem Land werden kann. Ich wäre schon froh, wenn es parallel zu Fiatwährungen existiert, ja, und die Politik uns da keine Steine in den Weg legt. Und das wäre im Prinzip das Ziel, auf das man hinarbeitet. Aber das ist wirklich ein großes Ziel, da sind ganz, ganz viele kleine Steps, die dazwischen erfüllt werden müssen, und ja, es ist träumen darf man ja noch.

Interviewer: Ja, absolut. Also, ihr fordert ja wirklich, dass man sich gegen die Einführung von digitalen Euros ausspricht und das sozusagen das System jetzt so parallel zu Bitcoin läuft oder Bitcoin parallel zum jetzigen System, dass das Bargeld erhalten wird. Wenn das so laufen würde, wie würde sich das dann entwickeln? Würde sich dann Bitcoin irgendwann trotzdem durchsetzen?

Joana Cotar: Ich glaube schon, weil die Leute sich dann eher mit dem Thema auseinandersetzen würden. Also, ich sehe das jetzt bei den ETFs, die zugelassen worden sind. Da haben wir auch Bedenken gehabt, na jetzt kommen, BlackRock, jetzt kommen die großen Finanzinstitute. Das ist alles gar nicht so schlecht. Auf der anderen Seite hat das so eine Publicity bewirkt und die Medien haben darüber berichtet, dass sich Leute plötzlich angefangen haben, sich für das Thema zu interessieren.

Ich glaube, genau das gleiche wird passieren, wenn wir sagen, wir haben es auch im Antrag gefordert, es möglich zu machen, Steuern in Bitcoin zu bezahlen, dass die Leute dann neugierig werden und sagen, okay, wenn das schon soweit ist, dann sollte ich mich vielleicht doch mal mit dem Thema beschäftigen, und dass es dann mehr Verbreitung findet. Und wenn sich die Leute dann damit beschäftigen, ich habe noch niemanden gesehen, der sich angefangen hat damit zu beschäftigen und dann gesagt hat, ist alles Mist, weil jeder hat erkannt, da ist was dran, jeder hat für sich das rausgezogen, wieso es für ihn positiv ist, und ich glaube, das wird schon einen riesigen Sprung nach vorne machen.

Interviewer: Ja, interessant. Also, ich frage mich manchmal bei Politikern, die haben ja auch Familie und Kinder und Verwandte und Freunde. Wenn wir in so ein System reinsteuern, wie das der CBDCs, man kann ja in China sehen, wo das hinführen kann oder bereits jetzt schon gemacht wird, eben gekoppelt an soziales Kreditsystem, dass Gelder einfach gesperrt werden können oder das Geld programmierbar ist, also örtlich gebunden oder produktgebunden oder zeitlich gebunden ist, denken die nicht auch teilweise, ja, das will ich für meine Familie nicht?

Joana Cotar: Ich glaub, die denken nicht, die denken nicht soweit. Die denken nicht. Ich habe das auch mal angesprochen, weil auch wenn sie es gut finden, weil die Regierung im Moment toll oder die Politiker glauben, dass das, was sie machen, das Richtige ist, und die Wähler von den Parteien glauben, ich habe ja nichts zu verbergen, es ist alles in Ordnung, und die wollen mir ja nur was Gutes, du baust hier eine Überwachungsarchitektur auf, und dann wechselt die Regierung, und dann kommen plötzlich welche an die Macht, die du da gar nicht haben wolltest, und die finden diese Architektur vor und können sie von Tag eins nutzen. Dann werden all die Politiker, die so etwas befürworten, dann plötzlich auch dagegen sein. Alle Politiker von allen Parteien sollten darauf hinarbeiten, dass so etwas überhaupt gar nicht etabliert wird.

Das ist toll, wenn eine Frau Faeser jetzt sagt, es soll keiner, der irgendwelche Überweisungen an komische Organisationen macht, glauben, dass das unentdeckt bleibt. Das heißt, da werden alle Überweisungen gescannt, und wenn du an die AfD oder an irgendeine andere Organisation spendest, die der Frau Faeser nicht passt, dann kriegst du Ärger. Das kann man ja umkehren..

Interviewer: Wer kriegt Ärger?

Joana Cotar: Derjenige, der überweist. Also, die Sparkasse hat zum Beispiel angekündigt, Überweisungen an die AfD nicht mehr auszuführen. Ja, und wenn es heißt, wenn du den Staat delegitimierst oder den Staat kritisierst, dann muss der Staat recht stark auftreten. Und eine Frau Paus hat ja gesagt, sie weiß sehr genau, oder die Leute, die den Staat kritisieren, wissen ganz genau, was noch unter die Meinungsfreiheit fällt und was nicht, und bewegen sich quasi immer am Rand des Legalen.

Das wollen sie ändern, und dann weißt du auf was für ein totalitäres System das hinausläuft, dass sie sagen, sie möchten alles kontrollieren, was du sagst, was du machst, deine Geldflüsse. Und das kann sich ja dann ändern, sollte die AfD an die Macht kommen. Ja, dann haben wir 2025 vielleicht eine AfD-Regierung, und dann kann die das alles nutzen und sagen, jetzt drehen wir mal den Spieß um, jetzt gucken wir mal, welche linken Organisationen das sind. Sie können das genauso machen.

Interviewer: Und wenn sie dann an der Macht ist, dann denken sie vielleicht, oh, eigentlich doch gar nicht so schlecht, behalten wir bei.

Joana Cotar: Genau, behalten wir bei, weil das ist ja eine Kontrolle der Bürger. Und deswegen müssten sich alle Parteien, alle vernünftigen Politiker, sagen, machen wir unter gar keinen Umständen. Das kann nur schiefgehen, kann nur dazu führen, die Zustände, die wir jetzt in China haben, die wir nun hier gar nicht haben wollen.

Aber du hast den Lauterbach gehört in der Corona-Zeit, wo er dann gesagt hat, all die Maßnahmen, die wir in der Corona-Zeit jetzt eingeführt haben, die können wir eins zu eins auf den Klimaschutz übertragen.

Das heißt, wenn Bargeld abgeschafft wird, ja, und du hast nur noch den digitalen Euro, und dann möchtest eine Flugreise buchen, dann kann man dir sagen, ja, ist nicht, weil CO2-Fußabdruck. Oder wenn ein neuer Lockdown kommt und du möchtest ein Restaurant essen gehen, was ein Kilometer von deinem Haus entfernt ist, dann kannst du halt nicht mehr bezahlen damit. Das klingt alles dystopisch, das klingt alles nach Verschwörungstheorie, aber wie viele Verschwörungstheorien sind in den letzten Jahren wahr geworden?

Interviewer: Ziemlich viele, ja.

Joana Cotar: Ja. Und ich möchte das Risiko nicht eingehen.

Interviewer: Kannst du da so offen drüber reden, weil du eben fraktionslos bist?

Joana Cotar: Ja, also du kannst es nicht machen, glaub mir. Wenn jemand von den anderen Parteien hier sitzen würde und so offen reden würde, die werden am nächsten Tag beim Fraktionsvorsitzenden einbestellt, um dem zu erklären, so geht’s nicht. Das passiert ja schon im Bundestag, wenn du sagst, wir haben eine Fraktionslinie, wir stimmen so und so ab, namentlich, und dann stimmt einer gegen die Fraktion ab. Das macht er einmal, das macht er zweimal, und dann hat er ein Termin beim Fraktionsvorsitz, beim stellvertretenden Fraktionsvorsitz. Und wenn er es öfters macht, heißt es, noch einmal, und du kommst nicht mehr auf die Liste und du bist deinen Job los.

Interviewer: Ja, es gab ja viel Aufregung, als du letztens zu einem Berliner Bitcoin Meetup gekommen bist. Soweit ich verstanden habe, weil du einmal Mitglied der AfD warst. Mittlerweile bist du ausgetreten, bist auch selbst sehr kritisch der AfD gegenüber. Bitcoin ist ja eigentlich unpolitisch. Wie gehst du mit solchen Ereignissen um? Ist es belastend oder macht dir das nichts?

Joana Cotar: Ich bin zu lange in der Politik, als dass mich das noch belasten würde. Ich finde es schade, weil ich den Bitcoin Space immer als positiven Raum wahrgenommen habe. Egal ob du rechts, links, oben, unten bist, alle kämpfen eigentlich für das Gleiche, weil sie alle erkannt haben, was das Problem ist und was die Lösung wäre. Und dann habe ich zum allerersten Mal, übrigens, ich habe das noch nie erlebt. Ich war ja auf einigen Konferenzen, ich war auf einigen Treffen, und zum allerersten Mal ist mir das passiert, dass einige Linke das nicht verkraftet haben, dass ich da aufgetaucht bin.

Ich habe mich an einen Tisch gesetzt und Bier getrunken und mit den Leuten gesprochen, die mit mir reden wollten. Es ist, wie es ist, wenn man keine Feinde hat, dann macht man anscheinend gar nichts im Leben. Und dann hat man halt ein paar. Dann ist es gut. Einige sind sehr obsessiv, habe ich festgestellt. Also, die arbeiten ganze Dossiers über mich aus, was mich übrigens ganz massiv an die AfD erinnert hat, weil in der AfD war ich diejenige, die gegen den radikalen Flügel gekämpft hat, gegen ein Höcke-Flügel. Ich habe immer gesagt, wir müssen diese Leute aus der Partei entfernen, weil die machen uns die Partei kaputt.

Wir waren ja 2013 eine ganz andere Partei, und dementsprechend war ich die Hassfigur für alle rechts außen in der AfD. Und auch da gab es ein 13-seitiges PDF über die Cotar, wieso die Cotar ganz schrecklich ist, weil sie eben nicht radikal genug ist und nicht rechts genug. Und jetzt gibt es halt von linker Seite, von einigen Bitcoinern, ein 13-seitiges PDF über mich, wieso ich eigentlich viel zu radikal rechts bin. Es amüsiert mich mittlerweile.

Interviewer: Das ist schön, dass es einen amüsieren kann.

Joana Cotar: Ja, weil ich eben so viel erlebt habe. Ich habe in der AfD so viel Negatives erlebt, so viele Kampagnen gegen mich und auch generell in der Politik, dass ich mittlerweile drüber stehe. Und ich lasse mir das, was wir hier aufbauen, und die Chance, die wir ja haben, nicht kaputt machen von einigen Miesepetern, die ihre Zeit damit verbringen, alle meine Tweets bis 2016 zurückzuverfolgen, um irgendwelche Zitate rauszukramen.

Interviewer: Inter Auftkatveranstaluntg von dir waren gestern auch einige dieser Kritiker von dir dabei. Das habe ich so teilweise mitbekommen. Ich glaube, aber es waren wenige, die sehr, sehr radikal waren. Ich glaube, die große Mehrheit war eigentlich da sehr gelassen.

Joana Cotar: Also, das Feedback, was ich bekomme, das überwiegende Feedback, ist unfassbar positiv. Also, es ist wirklich nur eine kleine Gruppe, die das so anheizt, teilweise auch mit falschen Behauptungen. Ja, also die Behauptung, ich würde wiedergewählt werden wollen. Leute, ich habe keine Partei. Ich habe auch keine Partei, in die ich im Moment eintreten könnte, um mich da wieder wählen zu lassen. Ich werde in anderthalb Jahren raus aus dem Bundestag sein. Das heißt, für wen soll ich als Einzelabgeordnete denn antreten? Und all diese falschen Behauptungen, die sind halt, wie sie sind, unschön finde ich. Gewisse Lügen, die da reinkommen. Es ist einigen Leuten anscheinend nicht bewusst, dass das auch abmahnfähig ist. Aber sollen sie machen.

Interviewer: Ja, absolut. Ja, vielen Dank für deine Zeit.

Joana Cotar: Sehr gerne. Danke schön.